Mittwoch, 9. November 2011

Jonathan - letztes Kapitel

Inzwischen war ja aus unserem Möwenküken ein richtig großer Vogel geworden.
Die Fütterung unsererseits wurde mehr und mehr eingeschränkt.
Stattdessen flog Johnny auch längere Runden und blieb auch schon mal über Nacht weg.
Die Auswilderung schien so langsam zu funktionieren.

Einen Schock bekamen wir alle, als eines Tages im Garten ein abgetrennter Möwenkopf lag! Nein, er war nicht abgeschlagen, sondern wahrscheinlich von einem anderen Tier abgebissen. Wir hatten unsere Katze in Verdacht... Großes Entsetzen hier im Haus!!!
Als kurze Zeit später aber ein lautes Begrüßungskreischen aus dem Garten zu vernehmen war, fiel uns allen ein Stein vom Herzen. Johnny war zurück. Er hatte seinen alltäglichen Ausflug hinter sich und meldete sich zurück. Welch eine Erleichterung...
Die Versuche, Johnny komplett auszuwildern, wiederholten wir immer häufiger.
Die Entfernungen wurden auch größer.

*

Die Entferung schien unseren Vogel aber nicht abzuschrecken. Manchmal war er noch vor uns wieder zu Hause im heimischen Garten... 
Erinnerte uns irgendwie an die Geschichte von Hase und Igel. ;o)
Inzwischen hatte sich auch unser hiesiger Vogelwart vom NABU eingeschaltet. Er hatte eine Info erhalten, wir würden eine Möwe ihrer Freiheit berauben und sie in einem Käfig halten.
Ich erklärte ihm die ganze Geschichte, doch er meinte, wir seien wohl nicht in der Lage, diesen Vogel auszuwildern und verlangte von uns die Herausgabe der Möwe. Tierschützer eben...
Ich musste Johnny zur NABU-Station bringen und der "freundliche Herr" meinte, er würde ihn ein oder zwei Nächte in seiner Voliere halten und dann zum Schwansener See bringen. Dort seien schließlich viele andere Möwen und dort würde er sich wohl fühlen und auch dort bleiben...
Ich habe nur geschmunzelt, denn dieser besagte See liegt ca. 3-4 km Luftlinie von unserem Haus entfernt. Eine Lachnummer für ne Möwe.
Immerhin hatte ich Johnny schon ein paar Tage vorher ca. 40 km weit weg gebracht und südlich von Glückburg am Strand frei gelassen. Ein paar Stunden später begrüßte er mich wieder freudestrahlend im Garten!!!


*

Und so kam es, wie es kommen musste: Johnny war natürlich am Tag seiner "professionellen" Auwilderung im Nu wieder hier bei uns. Ich habe den Vogelwart benachrichtigt und er wusste sich nun auch keinen Rat mehr.


Die Wochen vergingen und unser Möwenkind wurde erwachsen.
Wir sahen ihn jetzt hin und wieder mit einer anderen Möwe zusammen über unserem Garten kreisen. Johnny selbst kam auch noch zu Besuch, seine Partnerin (oder sein Partner?) blieb derweil auf dem Dach sitzen.
So hat sich Johnny dann Stück für Stück von uns verabschiedet - und irgendwann gegen Ende November kam er gar nicht mehr. 
Ab und zu landete auch in den Folgejahren immer wieder mal eine Möwe auf dem Dach und schrie. Ob es allerdings Johnny war... keine Ahnung. Der Trick mit der Tüte funktionierte nicht mehr... so bleibt es ein ewiges Geheimnis, was aus Johnny geworden ist.


ENDE

Kommentare:

  1. Was für eine schöne Geschichte.
    Mir läuft eine Gänsehaut nacheinander runter.
    Das sollte es als Buch geben.
    Du hast sie auch wunderbar erzählt,danke.
    Mit wunderbaren Fotos sowie deine wunderbaren Zeichnungen.
    Wäre das nicht eine Herausforderung?
    Liebe,liebe Grüße
    Maike

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  2. danke für diese schöne lebendige Geschichte mit Fotos!

    Lieben Gruss Elke

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  3. Eine schöne Geschichte, aber auch ein wenig traurig. Bestimmt hat Johnny seine eigene Familie gegründet.
    Liebe wauzis von Emma und Lotte

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  4. Ich habe die Geschichte mit großem Interesse verfolgt, sie hat mir sehr gut gefallen, wenn auch ein bisschen Wehmut dabei ist,
    danke, danke, danke
    ♥liche Grüße Anneliese

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