Donnerstag, 3. November 2011

Jonathan - Teil 4

Ich hoffe, ihr habt noch Lust und Interesse, weiter zu lesen...

Wir wollten natürlich nicht, dass diese Möwe ihr Leben lang bei uns bleibt.
Deshalb haben wir sie ja auch mehr und mehr an die selbständige Nahrungssuche gewöhnt.
Die Auswilderung konnte ja nicht von heute auf morgen passieren - aber irgendwie mussten wir damit beginnen. So packten wir Johnny kurzerhand mal in den Katzen-Transportkäfig und fuhren mit ihm an die Schlei.
Für die, die nicht wissen, wer oder was die Schlei ist... dies ist unser Ostseefjord, der nördlich von Kappeln bis Schleswig verläuft und an dessen Ufer seine Mama ihn auch in Eierschale verpackt "geboren" hat.

Am Schleiufer also öffneten wir den Käfig und ließen Johnny mal fliegen.
Wer jetzt denkt, dass sich der Vogel wie irre gefreut hat und auf nimmer Wiedersehen verschwand, der hat sich aber komplett geirrt.
Er entfernte sich nur ein klitzekleines Stückchen von uns und behielt uns immer im Blick. Auch in keiner Sekunde verspürte er anscheinend das Verlangen, fort zu fliegen.



  Nachdem er sich also überhaupt nicht für dieses Gewässer oder den Strand zu interessieren schien, packten wir Johnny wieder in den Käfig und nahmen ihn mit nach Hause.
Diese Ritual wiederholten wir so alle zwei Tage... aber der Vogel blieb uns treu.
Das Leben mit ihm war allerdings nicht nur Zuckerschlecken. 
Im Gegenteil. Es wurde immer anstrengender.
Ich erinnere mich, dass wir mal zwei Häuser weiter bei Nachbarn zum Geburtstag eingeladen waren. Im Garten war ein großes Buffet aufgebaut... Und da Johnny sich tagsüber frei bewegen durfte, fühlte er sich natürlich mit eingeladen...! Wie selbstverständlich kam er kurzerhand mal eben rüber geflogen und beäugte die Leckereien, die so praktisch auf den Tischen angerichtet waren. Oh oh...
Ich lief nach Hause und raschelte dort mal wieder mit der Tüte... und dann musste er leider eine Weile in seiner Behausung bleiben.
Und da diese Möwe sehr menschenbezogen war, lief sie ihnen natürlich auch immer wieder hinterher. Oft mit weit aufgerissenem Schnabel und Gekreische. Klar, dass da so manch einer Panik bekommen hat.
Dabei wollte er nur gefüttert werden...

Die Ausflüge mit Johnny gingen dann nicht mehr an die Schlei sondern direkt an die Ostsee. Da waren schließlich auch andere Möwen und er zeigte sich durchaus interessiert. Aber dort bleiben? NIEMALS...!!!


Solange wir mit ihm dort am Wasser waren, war die Welt in Ordnung.
Da drehte er auch seine Runden über die Ostsee.



Landete auch gerne mal auf unserer Hand.
Das nächste Bild ist mein Lieblingsfoto.
Es erinnert mich irgendwie total an den Film "Free Willy".
Diesen Film wiederum liebte unser Sohn.
Und bei dem Foto denke ich immer an die Szene, wo der Junge den Wal in die Freiheit lotst. So gibt er auch hier der Möwe die Freiheit.


Fliiiieeeeg....!!!



Die Geschichte geht noch weiter, aber das heutige Kapitel ist beendet.
Und da heute ein milder und sogar leicht sonniger Herbsttag ist, werde ich noch ein wenig im Garten weiter machen und diesen auf den Winter vorbereiten.
Ganz liebe Grüße an euch alle,

Karina

Kommentare:

  1. Wunderschön....eure Geschichte von Jonathan. Bin sehr gespannt, wie es weiter geht....
    LG Catrin

    AntwortenLöschen
  2. Herrlich, ich freue mich immer wieder auf die Fortsetzung, denn so ein Erlebnis hat kaum jemand, und schon gar nicht Fotos dazu,
    liebe Grüße Anneliese

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Karina,

    wie schön, dass ihr das Ganze mit Bildern festgehalten habt.

    Wir haben auch schon eine "Küchenaufzucht" erlebt, ist (denke ich) über 25 Jahre her. Julchen, eine Ente, die bis zu ihrem natürlichen Tod (ohne Bratpfanne) immer einen besonderen Platz in unserem Herzen hatte. Vielleicht erzähle ich irgendwann mal von ihr...

    Herzliche Grüße

    Anke

    AntwortenLöschen
  4. Die Geschichte ist soooo schön geschrieben und ich bin schon neugierig wie es weiter geht.
    ♥liche Grüße
    Manuela

    AntwortenLöschen
  5. Das ist ja echt interessant, witzig und so liebenswert!!!
    LG
    Taty

    AntwortenLöschen
  6. Eine schöne Geschichte. Aber habt ihr euch denn nicht auch ein bisschen gefreut das Jonathan so treu ist?
    Liebe wauzis von Emma und Lotte
    die schon ganz gespannt sind wie es weiter geht.

    AntwortenLöschen