Montag, 10. August 2015

Alles anders...


...als geplant.
So verlief unser diesjähriger SommerUrlaub.
Ursprünglich den Gedanken im Kopf, mit unserer *Rosy* wieder nach Österreich zu fahren, diesmal allerdings ins Kaisergebirge, hielt uns letztendlich das unaufhörliche Regenwetter davon ab. Nicht nur Regenwetter - es uferte bekanntlich in Unwetter aus und brachte so einige Erdrutsche mit sich.
 
Wie so oft schon, schickte mir das Schicksal oder wer oder was auch immer, auch jetzt wieder einen Hinweis. In diesem Fall war es unsere Tageszeitung am Samstag, wo auf der letzten Seite immer herrliche ReiseTipps vorgestellt werden. :-)
Ein Ort namens Glurns, gelegen in Südtirol, manifestierte sich in meinem Kopf und in meinem Herzen. Ich war hin und weg von den Fotos und dem Bericht.
Eine der kleinsten Städte in den Alpen. Eine Stadt aus dem Mittelalter mit komplett erhaltener Stadtmauer.
 
 
Schnell das Ipad genommen und den Wetterbericht beäugt - prima! Alles bestens!
"Schatz, wir starten morgen nicht in Richtung Österreich sondern nach Südtirol - nach Glurns !" Es gibt dort auch einen tollen Stellplatz direkt an einem Bach oder kleinen Fluss.
 
Joy sitzt gerne als Erste im Wohnmobil - nicht, dass sie noch vergessen wird...! ;-)
 
 
Wir freuten uns wie Bolle und fuhren am ersten Tag also erst mal Richtung Süden.
Um den vielen Baustellen und Staus auf der A7 auszuweichen, ging es auf die B404, dann auf die A24 Richtung Berlin, umfuhren die Hauptstadt aber westlich und wählten unser erstes Quartier für die Nacht in Coswig an der Elbe. Ein prima Platz direkt am ElbeUfer, liegt zwischen Dessau und der Lutherstadt Wittenberg.
Für uns ist es wichtig, dass wir einen "hundetauglichen" Platz finden. Also nicht mitten in der Stadt und wenn´s geht, auch nicht auf einem asphaltierten Parkplatz, sondern gerne auf einer Wiese.
 
 
Eigentlich wollten wir am nächsten Tag einen Zwischenstopp bei meiner lieben Freundin Catrin (ihr kennt sie als knitcat) und ihrem Mann machen. Aber ich fuhr bereits mit einem blöden Husten von zu Hause los, der über Nacht leider zu einer ausgewachsenen Bestie wurde. So fühlte ich mich jedenfalls, bellte ununterbrochen und konnte kaum sprechen, mein Schädel hämmerte und ich wollte diesen gemeinen Virus niemandem ins Haus schleppen - der Catrin schon gar nicht.
So kam die Überlegung, ob wir wieder nach Hause fahren oder uns irgendwo ein Plätzchen suchen, wo ich niemanden mit meinem Gekläffe störe. Hinzu kam der Wetterbericht - die Unwetter waren in Südtirol angekommen und Glurns war inzwischen auch von heftigen Gewittern heimgesucht worden, was laut Wetter-App die nächsten 7 Tage anhalten sollte. Na super! Irgendwie sollten wir wohl nicht in den Süden...
Kurzes Telefonat mit Catrin und der Plan wurde geändert.
Kehrt Marsch - erst mal Richtung Norden!
Ich wollte es aber meinem Mann nicht antun, schon wieder den Urlaub abzubrechen, weil mich wieder so eine fiese Grippe heimgesucht hat (wie bereits im Frühjahr). Also ging es nicht links an Berlin vorbei sondern rechts (östlich) und dann weiter bis nach Peenemünde. Dort am Hafen ist ein für uns perfekter Stellplatz - hier und da stand ein Wohnmobil - ich störte also niemanden.
 
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Es gefiel uns wirklich ausgesprochen gut dort. Hatte mich auch noch in einer Apotheke mit ausreichend Mittelchen eingedeckt, so dass es jetzt eigentlich nur noch besser werden konnte. Allerdings teilte man uns am nächsten Tag mit, dass sich der Platz nun in den kommenden Tagen füllen würde, da hier das alljährliche Heavy Metal Open Air stattfinde... OH NEIN...!!!
Nix für uns. Und für den Hund schon gar nicht.
Tja, und da mein Mann schon immer mal "rüber machen" wollte, - also an der Polnischen Ostseeküste entlang fahren - hatte ich jetzt wohl keine andere Wahl, als ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Ich selbst hätte es nicht vorgeschlagen, weil mir leider immer wieder diese Berichte von den Autodiebstählen durch den Kopf gehen...nein - sie sind dort richtig fest verankert. Es machte mir richtig Bauchschmerzen zu wissen, dass wir uns jetzt dorthin begeben wollten. Panik machte sich breit. Aber wisst ihr was? Es ist alles unbegründet. Ich wurde eines Besseren belehrt. Lauter herzliche Menschen und ein traumhaft schöner Küstenstreifen!!!
In Swinemünde ging es über die offene Grenze und dann weiter bis nach Rewal.
 
 
Schaut euch mal diesen Strand an ... ist das nicht ein Träumchen?!
 
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Wetter genial, Hunde sind willkommen und es ist noch keine Hochsaison,
also auch noch nicht überfüllt.
 
 
Und Joy ist ein absoluter Wasserhund. :-)
Aber wehe, wenn sie raus kommt... sie kommt ganz dicht ran... und dann aber...!
 
 
Gerne wären wir nach unserem viertägigen Aufenthalt hier in Rewal noch weiter bis nach Danzig gefahren. So Stück für Stück. Aber dann kam die Info, dass meine Mama sehr krank geworden war. Ich wollte meine Schwester bei der Pflege zu Hause ablösen. Wir hatten uns ganz bewusst gegen einen Krankenhausaufenthalt entschieden, was auch gut war.
So fuhren wir mit der Rosy dann wieder die kurz vorher erst gefahrene Route Richtung Berlin an, machten noch eine Nacht Zwischenstopp in Burg bei Magdeburg, denn die 700 km konnten wir nicht mal eben an einem Tag fahren. Nicht mit dem Wohnmobil und schon gar nicht mit Hund. Wir haben schließlich keine Klimaanlage in der Rosy...
In dem Ort Burg fanden wir einen Stellplatz in einem privaten Garten. Jawoll, das gibt es. Eine große Wiese hinterm Haus, ein "historisches" Gartenhaus mit Klöchen und Dusche - sehr urig ! ;-) Aber wieder perfekt für uns mit Hund.
 
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Ein Teich auf dem Grundstück war die Bühne für etliche Frösche, die uns am Abend ein wundervolles Konzert gaben. Natur pur.
 
Am nächsten Morgen ging es dann gleich weiter bis nach Bad Karlshafen zu den Eltern. Und da es dort auch einen Campingplatz gibt, der direkt an der Weser liegt und sogar eine Wiese nur für Wohnmobile hat, machten wir es uns dort gemütlich. Das dritte Wohnmobil von rechts ist die Rosy. :-)
 
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Ein Blick vom Platz über die Weser an die DampferAnlegeStelle, auf die alte Schleuse zum Hafenbecken und direkt dahinter "unsere" Kirche.
Dort wurde ich konfirmiert und wir wurden getraut.
 
 
Das helle Gebäude oberhalb des Dampfers oben am Waldrand ist die ehemalige Grundschule.
Dort wurde ich eingeschult. Ach ja... das ist lange her...
 
 
Bad Karlshafen ist eine alte Hugenottenstadt, gegründet 1699 von Landgraf Karl zu Hessen-Kassel für die protestantischen Flüchtlinge aus Frankreich, die Hugenotten, vertrieben vom Sonnenkönig, Ludwig XIV. Umgeben vom Reinhardswald und dem Solling bietet Bad Karlshafen auch viele schöne Wanderwege durch die Wälder. Als Kind spielte ich oft im Friedenstal, in das man hier über diese Treppe gelangt...
 
 
"Es geht uns gut"
 
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Und noch ein Foto aus dem Internet - Bad Karlshafen von oben.
 
 
Leider hat die Stadt im Laufe der letzten Jahre immer mehr ihren Charme verloren, weil kleine Geschäfte schließen mussten aufgrund eines neu errichteten Einkaufszentrums am Ortsrand. Man ist dem Trend gefolgt. Seitdem stehen viele Geschäftsräume in der Innenstadt leer und verfallen leider immer mehr. Jedes Mal, wenn ich meinen Heimatort besuche, könnte ich heulen, weil es mir so weh tut, wie sich dort alles entwickelt hat. Klar, es gibt seit Jahren eine inzwischen recht bekannte und sehr beliebte Therme im Ort, wegen der die Menschen von weither anreisen. Aber dafür wurde das Freibad geschlossen, welches ich wirklich schmerzhaft vermisse! Dort haben wir ALLE schwimmen gelernt. Meine Geschwister, Cousins, Cousinen, Freunde und auch noch unsere Kinder. Und nun? Eine Ruine, die nicht mal beseitigt wird. Direkt neben dem Campingplatz. Oh - ich merke, dass ich aufhören muss. Nur noch "höher, schneller, weiter". Aber hier läuft was verkehrt. Es ist ein Kurort, ein Sole-Heilbad. Die Häuser müssen instand gehalten und belebt werden. Ich finde es ein Trauerspiel, was ich vorfinde, wenn ich dort durch die Straßen gehe. Es war ein schleichender Prozess - aber so kann das doch nicht weiter gehen!
Ich sehe es gerade sehr deutlich am Beispiel meiner Eltern, 84 und 88 Jahre alt. Sie überlegen, wie sie demnächst noch den Einkauf schaffen. Was sonst "um die Ecke" war, ist jetzt am Ortsrand und für die Beiden zu Fuß nicht mehr zu bewältigen. Es gab einen Milch- und Käseladen, mehrere Metzger, kleine Lebensmittelläden, Schuster, Frisöre, Schuh- und Bekleidungsgeschäfte, sogar einen Kurzwarenladen hatten wir. Elektrogeschäfte, einen Tapeten- und Farbenhandel und Haushaltswaren-Geschäfte gab es. Und auch zwei Handarbeitsläden! Nix ist mehr davon da. Stattdessen Leerstand...
Bad Karlshafen ist wunderschön. Trotzdem! Und dieser Ort lebt vom Tourismus. Gerade deshalb muss dort ein Umdenken stattfinden. Aber wie? Und wer macht den Anfang?
Junge Leute - ab in die Provinz! Das Handwerk und die kleinen Geschäfte sind doch wieder am Kommen! Handwerker waren es auch, die Landgraf Karl damals ganz bewusst hier ansiedelte. Darum traut euch! Kauft ein Haus und erhaltet es. Oben wohnen, unten arbeiten. So, wie es früher auch war. Ich bin inzwischen zu alt, sonst würde ich es vielleicht wagen. Eine Idee hätte ich... ;-)
 
Tut mir leid, jetzt ist mein schöner Reisebericht in eine Richtung gegangen, die nicht geplant war. Aber es sind die Dinge, die mich berühren, die ich auch hier zum Ausdruck bringe.
 
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Der Mama geht es inzwischen wieder gut und wir konnten noch gemütlich unsere Heimreise antreten mit kleinen Zwischenstopps hier und da.
Aber davon berichte ich demnächst.
Denn anders als geplant verlief nun auch dieser Reisebericht. Und ich möchte euch nicht zu sehr strapazieren mit dem ausgiebigen Lesestoff. 
Daher sage ich für heute erst mal Tschüss!
Ich hoffe, ihr bleibt mir trotzdem treu.
 
Lasst es euch gut gehen! Ich mache das auch!
 
Eure Karin - die natürlich unterwegs auch gestrickt hat... ;-)
 


Kommentare:

  1. Meine Güte liebe Karin, das war ja ein auf und ab.. Aber so ist das Leben. Ihr habt ja wirklich das Beste aus der Situation gemacht. Der Strand in Polen sieht klasse aus. Ich möchte auch gerne mal bis nach Danzig. Vielleicht schaffen wir es im nächsten Jahr. Dieses Jahr war Rügen dran. Ich hoffe du bist wieder richtig fit. Liebe Grüße von der anderen Seite;-) Puschi♥♥

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  2. Liebe Karin,
    wir haben unsere Urlaubspläne (Fahrradtour) aufgrund der Wettervorhersage auch kurzfristig geändert... abe rnachdem wir dann in die ganz nadere Richtung gestartet waren, änderte sich auch der Wetterbericht und wir fuhren dem regen quasi hinterher....Nun ja. Nicht zuändern.
    In Bad Karlshafen war ich auch schon öfter mit dem Fahrrad und wir waren immer ganz begeistert von dieser wunderschönen Altstadt mit all den zauberhfaten kleinen Läden. Allerdings ist es jetzt schon ein paar Jahre her, dass wir zum letzten Mal dort waren. Und auch dort hat sich so viel geändert?? Das finde ich zum Heulen!
    Gerade mit dem Fahrrad kommt man durch so viel schöne kleine Städte mit den wunderschönsten Fußgängerzonen und Altstädten, die man sich vorstellen kann. Und da denke ich so oft: Warum nicht auch "bei uns"??? Es geht doch! Wenn die Statd darauf verzichtet, diese dämlichen Einkaufszentren irgendwo hinzustellen, bleiben auch die Fußgängerzonen belebt. Das ist alles eine Sache der Planung! Da werden wir wohl bald mal wieder eine Radltour nach B.K. machen müssen....
    Ist dein Husten wieder gut?
    Liebe Grüße Sabine

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  3. na sowas! der urlaub hat für euch tatsächlich viele umwege und hindernisse bereit gehalten! aber ende gut, alles gut! und hauptsache dir und deiner mama geht es wieder gut!
    lieben gruß, susi

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  4. Liebe Karin !
    Danke das Du uns mit auf Deine Reise genommen hast. Meistens ist es doch auch gut kurzfristig die Pläne zu ändern, denn so sieht man Ecken wo man sonst vielleicht nicht hin gefahren wäre.
    Ich wohne auch in einer Kleinstadt allerdings im tiefsten Ostdeutschland, aber auch bei uns schließen die kleinen individuellen Geschäfte und stehen leer. Es ist wirklich schade, aber so wird man gezwungen online zu kaufen, grade auch was Handarbeitszubehör angeht, denn da ist bei uns nix in der Nähe. Aber so hat man dann eben auch einige Fehlkäufe im Wollschrank da man vorher nicht anfühlen kann.
    Liebe Grüße Lysann

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